empuxa: Das letzte Kapitel
Zweimal gegründet. Zweimal geschlossen. Die Geschichte hinter empuxa.
2007 gründete ich zusammen mit einem Freund, Till Carlos, mein erstes Unternehmen. Wir starteten klein und waren nur zwei Nerds, die Webdesign und Programmieraufträge erledigten. Dies änderte sich 2009, als wir einen Pitch beim Wacken Festival gewannen und eine maßgeschneiderte Plattform zur Verwaltung von Personal, Künstlern und Presse bauen durften.
Till und ich beschlossen, dass wir uns professionalisieren mussten. Dies führte zur Gründung von empuxa, ein Name, den wir wählten, weil er auf Galicisch „anschieben" bedeutet. Es passte perfekt, es war genau das, was wir wollten: Pushen. Geschwindigkeit aufnehmen.
Und es ging auf: Wir wuchsen schnell, denn Ruby on Rails war zur damaligen Zeit sehr gefragt. Neben dem Festival Manager entwickelten wird zudem Facebook Apps und später auch iOS- und Android-Entwicklung.
Unser Team im Jahr 2011.
Aber Geschwindigkeit bedeutet nicht gleichzeitig Beständigkeit.
2013, nach einigen intensiven Jahren, vielen Ups & Downs, konnten mein Mitgründer und ich keine gemeinsame Basis mehr finden, um weiterzumachen. Unsere Vorstellungen waren zu unterschiedlich. Es wurde offensichtlich: Das Ende von empuxa war nicht abzuwenden. Wir schlossen die Firma und alle Assets gingen in meine Holding, die Marco Raddatz GmbH über. Fortan arbeitete und ich alleine weiter — als Ein-Mann-Unternehmen. Ich genoss es, endlich wieder Zeit für das zu haben, was mir wirklich Spaß machte, statt mich täglich nur mit HR-Themen und Projektmanagement beschäftigen zu müssen.
Dies zog ich durch bis 2019: Seit 2018 wuchsen meine Projekte immer weiter an und die Kundennachfragen wurden größer. Alleine stand ich vorm Scheideweg (Hallo Burnout!) und so entschloss ich mich dazu, erneut ein Team aufzubauen.
Ende 2019 stießen erst Nils und dann Björn hinzu, aber etwas fühlte sich nicht richtig an. Unter der Marco Raddatz GmbH zu operieren, war irgendwie befremdlich. Es war keine Ein-Mann-Unternehmung mehr, also beschlossen wir, dass wir uns umbenennen müssten. Aber keiner der Namen, die uns im Team eingefallen sind, passte. Und bei denen, die hätten passen können, waren die Domains weg. Nur ein Name war allgegenwärtig: empuxa.
Nach einiger Bedenkzeit war es dann 2021 soweit. empuxa kehrte zurück als Marke und als Unternehmen. Und wir wollten als Agentur auftreten, nicht mehr als IT-Bude. Aber das war schwieriger als gedacht.
Was ich auf die harte Tour lernen musste
Ich habe zu lange gebraucht, um etwas Einfaches zu akzeptieren: Ich liebe es zu planen und zu managen. Strategien zu entwickeln. Prototypen zu erstellen und Projekte zu pushen. Aber ich hasse es, etwas zu verkaufen. Weder macht es mir Spaß, noch kann ich Dinge verkaufen, an die ich nicht glaube – weder an Kunden, noch an mein Team, noch an mich selbst.
Wenn ich beim Kunden Ideen sah, die nicht funktionieren würden, sprach ich das an. Ich hinterfragte Annahmen. Ich argumentierte gegen Features, wenn ich der Meinung war, dass sie dem Produkt schaden würden – selbst wenn es bedeutete, den Auftrag zu verlieren. Manche Kunden schätzten das. Andere nicht. Es hing von ihrer Persönlichkeit ab.
Für mich selber das Risiko zu gehen ist die eine Sache. Aber wenn ich dann meine Mitarbeiter gefährde, ist das etwas anderes. Jedes „Nein" gegenüber des Kundens bedeutete Risiko. Nehme ich unangenehme oder gar risikoreiche Projekt an, um Gehälter zu decken – oder lehne ich sie ab und riskiere Arbeitsplätze?
Ich bin ein ENTJ-Persönlichkeitstyp und würde immer versuchen, meine Kunden, die ich als Partner sehe, von der besten Lösung zu überzeugen. Nicht alleinig in Bezug auf die Programmierung, sondern was das Beste für den Geschäftsbetrieb ist. Das ist es, was Kunden an mir entweder lieben oder hassen.
Ich verpflichte mich nur Ideen, an die ich glaube. Das ist nicht immer profitabel, aber immer ehrlich und ich kann 100% geben.
Mit dem Team versuchte ich jedoch beides in Einklang zu bringen. Eine Weile funktionierte es. Aber tief im Inneren wusste ich: Das ist nicht das Richtige. Ich bin im Herzen kein Geschäftsführer. Wäre empuxa eine börsennotierte Firma wäre, würde ich nicht der CEO sein wollen – eher der CTO oder der CPO. Jemand, der Produkte formt.
Wir wollten als Agentur wahrgenommen werden, nicht als Softwareentwicklungsunternehmen. Aber wie sollten wir das umsetzen?
Wenn sich die Geschichte wiederholt
Im Jahr 2022 verlor empuxa einen großen Kunden. Die Wirtschaft boomte und ein Wettbewerber überlegte gar uns zu übernehmen. Wir führten Gespräche, machten Pläne, aber 2023 zerbrach alles und ich verlor eine beträchtliche Menge Geld. Es fühlte sich an, als würde sich alles wiederholen – exakt zehn Jahre nach einer ähnlichen Erfahrung mit FORVM, die empuxa ebenfalls nach ihrer Series A übernehmen wollten, allerdings an der Finanzierung scheiterten. Es war nicht nur enttäuschend – es war erschöpfend.
Das war der Moment, in dem ich wusste: Ich kann nicht länger ein Unternehmen führen, in dem ich die gesamte Last trage. Es beeinträchtigt meine Energie, die ich brauche, um großartige Arbeit zu leisten. Es zieht mich weg von dem, worin ich eigentlich gut bin.
Mein Fokus liegt auf dem Projekt
Ich genieße es nicht, ein Unternehmen zu führen. Ich genieße es, Produkte zu bauen – und wenn ich das tue, möchte ich 100% geben. Vertrieb ist nicht mein Ding, was in Ordnung ist, solange ich alleine unterwegs bin, aber nicht, wenn ein Team davon abhängt.
Also zog ich den Stecker. Erneut.
Wo ich heute stehe
empuxa zum zweiten Mal zu schließen, fühlte sich endgültig an – und befreiend. Ich habe einige Unternehmen mitgegründet und Anteile an anderen gehalten, aber empuxa war immer etwas Persönliches. Werde ich es ein drittes Mal gründen? Höchst unwahrscheinlich. Lebt empuxa weiter? Ja. Ich liebe den Namen und habe mich so daran gewöhnt, dass ich weiterhin unter der empuxa-Domain erreichbar bin... :)
Hier bin ich also. Nicht als „die Agentur", nicht mit einem Sales-Pitch – sondern als jemand, der 15+ Jahre damit verbracht hat, Software und Teams aufzubauen, abzuwickeln und wieder aufzubauen. Gerne bin ich Produktverantwortlicher. Ein Interim-CTO. Ein Sparringspartner, der keine Angst hat, das Unangenehme zu sagen, wenn es dem Produkt hilft. Aber kein Vertriebler.
Meine Tür steht jederzeit offen für neue Projekte.