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Plötzlich angestellt

Warum ich nach all den Jahren als Unternehmer heute angestellt bin und keinen Code mehr per Hand schreibe.

Bevor ich 2008 mein erstes Unternehmen gründete, war ich bereits als Freelancer unterwegs. Seitdem war ich immer Unternehmer. Das hatte für mich viele Gründe: Ich konnte meinen Tag selbst einteilen, mir aussuchen, mit wem ich zusammenarbeite, und Projekte ablehnen, an die ich nicht glaubte. Eine Festanstellung war deswegen nie ein Thema für mich. Wozu auch?

In den letzten Jahren wurde mir allerdings immer klarer, dass ich als reiner Dienstleister nicht ewig so weitermachen kann. Der Markt in Deutschland ist für Dienstleister so gut wie tot, und selbst wer ein eigenes Produkt besitzt, wird es in den nächsten Jahren sehr schwer haben. Also hörte ich mich um und fragte unter anderem einen Gesellschafter, mit dem ich bereits bei ENIQO zusammengearbeitet hatte, ob er von langfristigen Projekten wüsste. Er nannte mir eine Firma, in der er als Beirat tätig ist, und stellte den Kontakt her: Peuka suchte gerade jemanden für die Leitung der Entwicklung.

Der Pitch

Wenige Tage später traf ich die Geschäftsführung zum Bewerbungsgespräch, und Peuka hat mich direkt überzeugt. Ich sagte offen, wie ich die Entwicklung aufstellen würde: Wir drehen alles auf KI und machen das bestehende System Stück für Stück überflüssig. Und ich selbst werde dabei keine einzige Zeile Code mehr per Hand schreiben.

Klingt gewagt? War es vielleicht auch. Die Idee kam allerdings gut an, und wir lagen so sehr auf einer Wellenlänge, dass der Arbeitsvertrag keine 24 Stunden später unterschrieben war. Das war an einem Freitag, am Montag hatte ich meinen ersten Arbeitstag.

Unterschrieben an einem Freitag.

Ein halbes Jahr später

Und so kam es dann auch: Seit März leite ich ein Team aus vier bis fünf Entwicklern und mindestens genauso vielen KI-Agenten. Den Großteil der Entwicklung übernehmen dabei die Agenten. Ein halbes Jahr später ist die Plattform kaum wiederzuerkennen: Den Kern bildet zwar noch die alte Software, drumherum haben wir allerdings Zahlungsprozesse und Schnittstellen überarbeitet, vor allem aber die Sicherheit, und zahlreiche neue Microservices integriert. Wie viel in dieser Zeit passiert ist, zeigt die Commit-Statistik auf GitHub ganz gut:

Commits pro Woche seit Anfang 2025, bei gleicher Teamgröße. Ab April 2026 sieht man ziemlich deutlich, wann die Agenten übernommen haben.

Ich weiß, wie das klingen kann: So viel Code in so kurzer Zeit riecht erstmal nach KI-Slop. Am Ende zählt allerdings, was dabei herauskommt, und das kann sich sehen lassen. Die Buchungen über Peuka haben sich vervielfacht und wir haben deutlich weniger Exceptions. Vor allem aber fühlt sich die Arbeit an der Software insgesamt viel besser an.

Was jetzt anders ist

In meiner empuxa-Story schrieb ich, dass ich im Herzen kein Geschäftsführer bin. Das hat sich bestätigt. Selbst mein Persönlichkeitstest sieht das inzwischen so: Aus dem ENTJ von damals ist ein INTP-A geworden. Nach fast 20 Jahren habe ich schlichtweg keine Lust mehr auf Akquisegespräche oder darauf, etwas zu verkaufen. Ich möchte am Produkt arbeiten.

Und genau das kann ich jetzt: Morgens setze ich mich hin, öffne GitHub, steuere die Agenten und kümmere mich um alles, was das Produkt voranbringt. So kann ich bei dem Vollgas geben, was mir am meisten Spaß macht.

Zudem habe ich deutlich weniger mit Bürokratie zu tun. Ganz los bin ich sie zwar noch nicht, denn Jahresabschlüsse und Finanzdaten der GmbH wollen weiterhin erledigt werden. Die Bürokratie in Deutschland ist allerdings eine absolute Katastrophe, und ich bin froh, dass es Leute bei Peuka gibt, die sich intensiver damit auseinandersetzen.

Und die GmbH?

Die Marco Raddatz GmbH gibt es nach wie vor. Irgendwann möchte ich sie abwickeln, und das wäre für mich tatsächlich eine Erleichterung. Wehmut? Nicht wirklich. Die GmbH war für mich immer ein Mittel zum Zweck. Würde ich noch einmal in Deutschland gründen? Höchst unwahrscheinlich. Wenn das alles irgendwann erledigt ist, mache ich drei Kreuze. :)

Wie die Arbeit mit den Agenten im Alltag aussieht, erzähle ich in Keine Zeile Code per Hand.

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